Die Liebe ist eine Himmelsmacht!

Fifi, Mado und Fanny haben ihren eigenen Lehrplan in der Unterweisung in ihrer Spezialschule für Waisenkinder bei Mbandaka. Jetzt haben sie mir unter anderem geschrieben: 

Tata Mokili (liebevolle Anrede für Peter Gohl von seinen Freunden im Kongo, die Red.), Eddy macht Probleme. Seine Mama ist schon früh gestorben. Einen Vater gab es nie. Katholische Schwestern haben das Baby aufgenommen.

Als Eddy aber fünf Jahre alt war, übernahm ihn eine Tante, weil die Schwestern ja nur Babys und Kleinkinder versorgen können.

Die Tante ist arm und war immer froh, wenn sie und Eddy jeden Tag mal etwas zu essen fanden. Aber solche Kinder können hier ja niemals zur Schule gehen.

Eddy lebte wild auf der Straße, aber mit zwölf Jahren kam er dann zu uns, um noch Lesen und

Schreiben zu lernen. Wir lieben ihn sehr. Er ist wirklich intelligent und kommt gerne zur Schule. Er hat eine gute Auffassungsgabe und war schnell Klassenbester. Aber dann hat er schon mal schlimme Tage. Er kommt dann und hat Heft und Stift verloren, beschimpft die anderen Kinder und auch uns Lehrerinnen. Anderen Kindern brach er kürzlich ihren Stift durch und einem Kleinen hat er das teure Heft zerrissen. Zuletzt läuft er dann schimpfend raus. Neulich hat er gar Steine auf unsere Wellblechschule geworfen und ein Kind dabei verletzt.

In den anderen Schulen herrscht der Stock, und er würde da stillgeprügelt. Aber das können wir doch nicht. Die Kinder haben schon so viel Schlimmes erlebt. Manchmal reden wir so oder auch ganz leise mit Eddy. Er hat doch einen ganz besonderen Platz in unseren Herzen. Letztendlich suchen wir dann Geld und kaufen ihm wieder ein neues Heft und einen neuen Stift. Es ist doch unsere große Sorge, dass er wenigstens Schreiben und etwas Rechnen lernt. Mit diesen ärmlichen Kenntnissen müssen wir ihn dann ja auch im Juli, wenn dieser Kurs zu Ende geht, wieder entlassen.

Ganz viele Grüße, deine FiMaFa.

Die Liebe gibt nie jemanden auf, sie erträgt alles und glaubt alles, sie hofft immer und erduldet alles mit Geduld. – So steht es in der Bibel.

Und Johann Strauß hat gesungen: Die Liebe, die Liebe ist eine Himmelsmacht!

Ich beneide Menschen, die lieben können, obwohl sie beschimpft und geärgert werden. Man kann ja lieb sein, aber wirklich mit dem Herzen lieben, das ist ein Geschenk von Gott.

Wir alle haben ja unsere Grenzen, diese Mädchen auch, und so hoffe und bete ich, dass sie da im Kongo noch lange so oder ähnlich lieben können.

Peter Gohl