Gott erkennen, wo andere ihn nie vermuten

Vor einiger Zeit habe ich eine arme, kranke Witwe mit dem Motorrad in ihr 20 km entferntes Dorf gebracht. Dort sollte sie nun sterben. Hier im Krankenhaus hat der Doktor gesagt, dass ihr Brustkrebs so weit fortgeschritten wäre, dass man nicht mehr operieren könne. So habe ich unterwegs versucht, sie zu trösten. Aber was sind in solch einer Situation schon Worte?

Es war schon dunkel, als ich wieder zurück nach Hause fuhr. Im Dschungel zwischen Bakungu und Ikau muss man auf der Brücke den Bonokobach überqueren. Als ich das Motorrad aussetze, um es rüberzuschieben, hörte ich aus dem Gebüsch eine Frau ganz jämmerlich um Hilfe schreien. Durchs Gestrüpp suchte ich einen Weg, um zu sehen, was da wäre. Plötzlich standen zwei Banditen mit Gewehr und Buschmessern vor mir, und einer griff mir sofort an die Kehle und stieß mich in den Bonoko, der gerade Hochwasser hatte. Mit meinen Gummistiefeln konnte ich kaum schwimmen und wurde abgetrieben, bis ich mich irgendwo festhalten konnte.

Ich hatte noch gar nicht begriffen, was passiert war, da hörte ich das Wunder – in Form eines Motorengeräuschs. Es war ein Auto der katholischen Kirche zu dieser späten Stunde, das gerade noch rechtzeitig kam. Und weil mein Motorrad da im Weg stand, stiegen die Priester aus. Ich schrie um Hilfe, und sie hörten auch die Frau jammern. Die Banditen flüchteten, und die Priester halfen mir aus dem Wasser. Sie bargen auch die arg zugerichtete Frau. Ein Bein schien gebrochen zu sein. Mein Motorrad kam auf die Ladefläche des Autos. Ich war zwar klatschnass, aber ganz und gar unverletzt.

Die Frau kam ins Krankenhaus, und die Polizei wollte sich um die Aufklärung des Überfalls bemühen.

Zu Hause habe ich erst mal alles meiner Nanella erzählt und dabei erst begriffen, in welcher Gefahr ich mich befunden hatte. Und dann erkannte ich plötzlich, wie nah Gott mir doch ist, um mich in alle dem zu bewahren. Nanella jammerte und half mir aus den nassen Sachen. Aber ich will bis ans Ende nicht mehr zweifeln und nicht aufhören, Gott zu danken. Ganz sicher war er mir da an der Brücke näher als je in irgendeiner Kirche.

Bevor ich dir diesen Brief schreibe, war ich im Krankenhaus und bin ganz entsetzt. Rose Mbondi heißt die Ärmste, ist 29 Jahre alt vom Ngombestamm, katholisch. Ihre Eltern wurden von den Rebellen ermordet. Eine Oma hat ihr und ihrem Bruder geholfen. Sie hatte Fische gekauft, um sie weiter zu verkaufen, damit der Bruder zur Sekundarschule gehen kann. Auf dem Weg ist es dann passiert. Sie wurde überfallen. Besonders schlimm sind ihre mutwilligen Verletzungen im Unterleib. Ich habe Gott bei ihr am Bett gedankt, dass wir noch lebendig sind und habe versprochen, irgendwoher Geld für ihre Operation zu besorgen.

Psalm 68,21: Wir haben einen Gott, der hilft und der vom Tod errettet. Das ist jetzt auch mein Psalm.

Ich, Richard Iyema.