Jesus soll Chef sein – Von einem Wunder im Knast

Gestern war ich mit drei Freunden und der Mama Louise, die Essen vorbereitet hatte, im Gefängnis. Jeder Gefangene sollte Essen und auch etwas Geld bekommen. Das durften die Wachleute aber nicht sehen, die würden ihnen das sonst gleich abnehmen. 

Als alle etwas gegessen hatten, haben wir einige Lieder gesungen, worüber sich alle in ihrem Elend sehr gefreut haben. Ich habe aus der Bibel Jesu Worte vorgelesen:

„Ich steh vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür aufmacht, zu dem werde ich reingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir!“

Aber keiner klopft hier an und will zu euch in den Knast.

Doch wir sagen euch, dass Jesus jetzt bei eurem Herz anklopft. Andere Leute können ihr Leben selbst ordnen, die meinen, sie brauchen Jesus nicht. Ich bin kein Pastor, aber ich habe Ahnung. Als es mal ganz finster bei mir war, wusste ich nicht mehr weiter. Da habe ich das Vaterunser gebetet, und ganz speziell: Dein Reich komme, und dein Wille geschehe. Herr Jesus, kannst du nicht helfen und mein Chef werden?

Und er ist gekommen! Lasst uns jetzt alle zusammen das Vaterunser ganz, ganz langsam beten. Da ist alles drin, um die Tür zum Herzen aufzumachen!“

Wir sahen aber auch, dass ein Häftling, Yubela, barfuß, ohne Hemd, nur mit Unterhose, da saß. Yubela hatte einen schlimmen Leistenbruch und starke Schmerzen.Der Colonel von dem Knast war sehr streng. Aber er begriff, dass er Probleme bekommen würde, wenn Yubela in „seinem Haus“ sterben sollte, und er für die Beerdigung und alles sorgen müsste. Also, hat er ihn uns zur Operation freigegeben – unter der Auflage, dass wir ihn sofort wieder abliefern sollten, sobald Yubela nach der OP wieder transportfähig sei. Wir besorgten T-Shirt, Hose und Schuhe, und ich sammelte bei allen frommen und anderen Vereinen Geld, so dass ich dem Doktor schon mal 190 Dollar bar geben konnte. Der hat auf Kredit noch am selben Tag operiert. Ich suche jetzt noch 286 Dollar. Wenn du da noch helfen könntest!

Drei Tage später: Yubela hat bekannt, dass er in seinem Dorf mit Verleumdungen großen Schaden angerichtet hatte. Er will sich dafür entschuldigen und versuchen, wieder gutzumachen. Jesus soll jetzt Chef sein und einen festen Platz bei ihm haben. Als der Colonel das hörte, dass Yubela sich entschuldigt hat, sagte er: „Dann soll er jetzt auch ganz frei sein. Lasst ihn nach Hause gehen!“

Wunder – oder vielleicht doch nicht?

Richard Iyema