Als Luther Anfang Mai 1521 von Kurfürst Friedrich dem Weisen aus der Schusslinie genommen und auf die Wartburg bei Eisenach gebracht wurde, ahnte niemand, dass dort eines der einflussreichsten Werke – Luthers Bibelübersetzung – entstehen würde. Was bringt uns die Lutherbibel heute?

Als Junker Jörg getarnt leidet Luther unter der Verbannung. Er geht seine Probleme durch kreative Betätigung an. In nur elf Wochen übersetzt er das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Schon 1522 erscheint das sogenannte Septembertestament im Druck. Sofort findet es reißenden Absatz und wird in den evangelischen Gebieten zum Volksbuch. Dadurch leistet es nicht nur theologisch, sondern auch in Bezug auf die Entwicklung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache größte Dienste. Später folgen zunächst Teile des Alten Testaments, bis 1534 die Gesamtausgabe der Bibel in deutscher Sprache erscheint, die eine ebenso große Verbreitung erfährt.

Zum Luther-Jubiläum ist in diesem Jahr eine revidierte Fassung der Luther-Bibel erschienen. Dabei wurden immerhin 44 % der Verse gegenüber der 1984er-Ausgabe verändert. Das zentrale Anliegen der Revision war die Treue gegenüber dem Ausgangstext. So wurde die gesamte Bibel anhand der hebräischen und griechischen Urtexte überprüft, und auch die Funde von Qumran fanden Beachtung. Sprachliche Aktualisierung eliminierte missverständliche oder unverständliche Begriffe der 84er-Fassung. Nach dem Motto „Back to the Roots“ schärfte die Überarbeitung das Profil der Lutherbibel und nahm unnötige sprachliche Modernisierungen zurück, die die kernige Sprache des Reformators verstellen und die in der 1912er-Version noch nicht vorhanden waren.

Fazit

Luther 2017 lesen macht Spaß! Mit der 1984er Luther-Ausgabe konnte ich nie viel anfangen und so freute ich mich über die im Schweizer La Buona Novella Verlag 2009 erschienene NeueLuther Bibel, die sehr Luther-wortgetreu und doch gut verständlich übersetzt. Diese Ausgabe als F.C. Thomson Studienausgabe ist mein Favorit, bietet sie doch eine schier unerschöpfliche Fülle an Erklärungen und Material für das tiefere Eindringen in den Text. Aber auch die „Luther 2017“ der Deutschen Bibelgesellschaft ist ein Vergnügen für alle, die auf Erklärungen verzichten möchten. Besondere Mühe wurde auf den Satz und die Gestaltung verwendet. So entstand eine gut lesbare Ausgabe mit einem kleinen Apparat. So macht Luther lesen Spaß!

Kirstin Rappmund-Gerwers