Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Eine Kelzenberger Institution geht in den Ruhestand. Im Mai werden wir ihn verabschieden. Angefangen hat es wie im Märchen.

Es war einmal – in einem längst vergangenen Jahrtausend – ein Landwirt aus Kelzenberg. Seine Kühe im Stall gaben täglich schäumende Milch, die Rinder auf der Weide lieferten regelmäßig fettes Fleisch, von seinen Feldern fuhr er Jahr für Jahr Zug für Zug Rüben in die Zuckerfabrik und Getreide in seine Scheunen. Die Feuerwehr hörte auf sein Kommando, im Posaunenchor der Kirchengemeinde erscholl sein Horn.

Als sein 50ster Geburtstag nahte, verfiel er manchmal ins Grübeln: Was wird die Zukunft wohl bringen? Haus und Hof sind wohlbestellt, Weib und Kind gut versorgt – kommt als nächstes nun die Rente? Oft stand er unter seines Hofes Tor, blickte auf die Strasse, auf den hohen Kirchturm gegenüber – und hing seinen Gedanken nach.

Merkwürdige Antwort

Eines Tages blätterte er in den „Kirchlichen Nachrichten“. Und was er dort las, war wie eine merkwürdige Antwort auf seine Gedanken: Dort, für Kirche und Gemeindehaus, wird ein „Hausvater“ gesucht. Hausvater – „in der Kirch“? Er war selbst überrascht, als er eines Tages zum Telefonhörer griff, sich die Nummer des Pfarrhauses wählen sah und – „Überraschung!“ mal vorsichtig nachfragte.

Mit 50 eine neue Lebensphase

Es „sollte wohl so sein“, denn die Dinge nahmen ihren Lauf: Information, Gespräch, Überlegen, Entscheiden. Und so kam es dann: An seinem 50sten Geburtstag begann für den Landwirt Müschen noch einmal eine völlig neue Lebensphase, er wurde der neue Küster für Kirche und Gemeindezentrum der Ev. Kirchengemeinde Kelzenberg.

Paul-Heinz wurde in diese Aufgabe nicht hineingeboren, aber er ist hineingewachsen. Mit Freude, mit Schwung, mit Einsatz, mit Liebe zu Jesus Christus, seiner Gemeinde und seinen Menschen. 15 Jahre ist das nun her, inzwischen ist er 65 Jahre alt geworden und wird Ende April in den wohlverdienten Ruhestand gehen.

Wir wollen ihm dafür danken und ihn offiziell verabschieden. Am 4. Mai im Gottesdienst und hinterher im Gemeindesaal. Wir freuen uns darauf, obwohl wir ihn nicht gerne ziehen lassen.

Bodo Beuscher