Ich habe neulich eine Führung durch den Borussia-Park spendiert bekommen. Obwohl ich kein Fußball-Fan bin, war es tatsächlich spannend, mal an Orten zu stehen, die ich nur von Bildern aus Sportnachrichten kenne. 

Wir haben verschiedene Räume besichtigt: die Umkleidekabine, den Presseraum, die Zellen wo Randalierer festgesetzt werden, die VIP-Lounge und den Wellness-Bereich. Irgendwann kamen wir ins Stadion und konnten dort die Reservebank für die Spieler anschauen und uns auch darauf setzen. Nur das Spielfeld war mit einem Absperrband verschlossen und durfte von keinem betreten werden. Unser Begleiter erklärte, dass die Rasenfläche durch aufwendige Pflege auf einem hohen Qualitätsniveau gehalten wird und daher nur den Spielern zugänglich ist. Er sprach in diesem Zusammenhang vom „Heiligen Rasen“. 

Ich habe mich dann gefragt: Was ist eigentlich heilig …? Im Borussia-Park ist der Rasen einem exklusiven Kreis von Spielern vorbehalten. Besucher dürfen ihn nicht betreten. Er muss im Training und bei den Spielen extremen Belastungen unter verschiedensten Witterungsbedingungen standhalten. Da ist es natürlich zu verstehen, dass dieser hochwertige Rasen nicht mit den Samen von Unkräutern, die an unseren Schuhen kleben könnten, verunreinigt werden soll. Der „Heilige Rasen“ ist etwas Exklusives, was nicht jedem zur Verfügung steht. 

Im alten Judentum galt der Tempel als „heilig“. Bei weitem nicht jeder durfte ihn betreten. Und in den inneren Bereich durfte man nur unter genau festgelegten Bedingungen hineingehen. Das Heiligtum, der Gottesdienst und die rituellen Handlungen mussten vor Verunreinigung geschützt werden. 

Dadurch entstand allmählich bei den Menschen eine Verschiebung in der Vorstellung von Gott. Der Allmächtige ist so heilig, dass wir Ihn auf gar keinen Fall berühren dürfen. Bestenfalls kann man hoffen, dass Er uns günstig gesonnen sein möge. Aber nur, wenn wir uns richtig anstrengen, so sündlos wie möglich zu werden. Diese furchterregende Vorstellung wurde zu einem Machtinstrument, mit dem die herrschenden Menschen kontrollieren konnten.

Als Jesus auftrat, hat Er diese traditionelle Vorstellung sehr konsequent angeprangert. Und zwar sowohl in Seinen Reden als auch mit Seinen Handlungen. Dabei ging auch Er von den gleichen Voraussetzungen aus: Gott ist heilig und wir Menschen sind unrein und deshalb von Ihm getrennt. Das Neue und Unerhörte an Jesus Botschaft war jedoch: Wir sollen und müssen uns nicht mehr abrackern, um diesem Gott entgegenzugehen. Vielmehr kommt Er zu uns, der Heilige in unsere Unheiligkeit, der Reine in unsere Unreinheit hinein! Und in dieser Begegnung geschieht etwas unerhört Neues: Da wird keinesfalls Seine Heiligkeit beschmutzt, sondern vielmehr werden wir in der Begegnung mit Ihm geheiligt! Jesus suchte und berührte die Unreinen, die Ausgestoßenen, die Kranken und machte sie heil und gesund! 

Wann und wo auch immer Menschen diesem Gott begegnen, machen sie die Erfahrung, dass da etwas Größeres ist, als sie selbst sind. Gottes Heiligkeit ist kein philosophisches Denkgebäude. Er ist heilig, weil Er unvorstellbar viel größer ist, als unser begrenztes Denkvermögen erfassen kann. Er ist heilig, weil Er der geniale Designer und Architekt ist von allem, was wir sehen und erforschen können. Er ist heilig, weil Er durch und durch gut ist und unbedingt immer nur das Beste will für das Wertvollste in Seiner Schöpfung, für uns Menschen. Er ist heilig, weil unsere Unreinheit Ihn nicht beflecken kann. Weil wir erfahren haben, wie Seine großartige Heiligkeit unser Leben total positiv verändert hat, wollen wir davon reden. Wir wollen andere Menschen mit der gleichen Faszination anstecken, die uns selbst erfüllt, seit wir diesem heiligen Gott begegnet sind.            

Gerd Reschke