Martin Luther wurde am 10. November 1483 in der thüringischen Stadt Eisleben als Sohn von Hans Luder (oder Lüder) und seiner Ehefrau Margaretha geboren. Er hatte mindestens acht Geschwister. Den Vornamen Martin erhielt er bei seiner Taufe am nächsten Tag wegen des Tagesheiligen Martin von Tours. Sein Vater war vom Bergbauern zum Berghauer gewechselt und arbeitete in einem Silber-Kupfer-Bergwerk mit oft mehr als zehn Stunden täglicher Arbeitszeit. Das Leben war hart und daher wollte sein Vater, dass Martin Jurist würde. 

Bei einem einschneidenden Erlebnis soll Luther den Schwur getan haben: „Hilf (heilige) Anna, ich will Mönch werden!“ Er brach das Studium ab und wurde Mönch, um sein Leben fromm und ehrfürchtig zu gestalten und um dadurch die Menge der sich summierenden Schuld möglichst gering zu halten.

Am 31.10.1517 lud Martin Luther zu einer Diskussion über von ihm verfasste Lehrsätze ein, aber niemand folgte seiner Einladung. Lehrsätze zur Diskussion zu stellen war damals eine normale Tätigkeit als Doktor und Professor der Theologie. In Luthers Lehrsätzen ging es diesmal um die Themen: Buße, Gerechtigkeit vor Gott und die Vergebung von Schuld. Diese Lehrsätze (95 Thesen) verbreiteten sich sehr schnell im ganzen Land, da sie der Auffassung der allgemeinen (= katholischen) Kirche widersprachen.

Luther stellte in Frage, dass man sich mit Werken oder Zahlungen von der Schuld vor Gott freikaufen kann („Ablass“). Er forderte eine Rückkehr zur ernstgemeinten Bitte um Vergebung (= Buße).

1515 legte Luther den Römerbrief aus. Dabei fiel ihm der Kernsatz auf „Der Gerechte wird aus Glauben leben“. Das war mit dem einträglichen Geschäft, in dem man sich mit Geld von der Schuld freikaufen konnte (Ablasshandel), nicht vereinbar – der Konflikt mit Kirche und Staat war unvermeidbar, da diese ihre Einnahmen gefährdet sahen.

Luther versuchte vergeblich, Glaubensbrüder wieder für eine schriftgemäße Auslegung der Bibel zu bewegen. Es kam zu Anfeindungen und zum Prozess gegen ihn (Worms 1521). Man versprach Luther freie An- und Abreise. Er wurde aufgefordert, seine Lehrsätze vor Kaiser, Reich und der Kirche zu widerrufen. Luther verweigerte dies und wurde auf seiner Rückreise zum Schein entführt und zur Schutzhaft in die Wartburg verbracht. Eigentlich hatte sich damit „die Sache Luthers“ erledigt.

Gott hatte mit Luther aber noch viel vor …

In der Ruhe der Wartburg übersetzte Luther als „Junker Jörg“ das Neue Testament in die deutsche Sprache. Bis 1534 folgte auch die Übersetzung des Alten Testaments. Er schenkte damit den einfachen Menschen ohne Lateinkenntnisse die Möglichkeit, die Bibel zu lesen. Der Buchdruck von Gutenberg sorgte für die technische Verbreitung. Zwar musste jede Seite einzeln gedruckt werden, aber gegenüber der Vervielfältigung durch handgeschriebene Exemplare war dies ein großer Vorteil.

Die Reformation entwickelte sich parallel hierzu und unabhängig von Luther, da dieser ja auf der Wartburg nicht direkt eingreifen konnte. Die Lehrsätze wurden im ganzen Land diskutiert. Die Kirche spaltete sich in zwei große Hauptrichtungen, ohne dass Luther dies je beabsichtigt hatte. Aus der „allgemeinen“ (= katholischen) Kirche entwickelte sich die evangelische Kirche (= vom frohen Evangelium her). Erst als diese Entwicklung drohte, sich in die falsche Richtung zu entwickeln, verließ Luther die Sicherheit der Wartburg und kehrte ins normale Leben zurück. Das gegen ihn von Kaiser Karl V. verhängte Todesurteil war nicht mehr vollstreckbar, da Luther inzwischen zu bekannt war.

Weitere Tätigkeiten

Dreimal bearbeitete Martin Luther das „deutsche Taufbüchlein“, in dem die Grundlagen zur Taufe erläutert werden. Nach der „lateinischen Neuordnung“ des Gottesdienstes wurde ab 1526 auch die „deutsche Messe“ durch Luther geordnet. Dazu kam die Neuerung des „Laienkelches“, wonach der Wein beim Abendmahl nicht nur den Priestern sondern auch den „normalen“ Kirchgängern gereicht wurde.

Der evangelische Choral wurde von Luther in den Gottesdienst eingeführt – er selbst dichtete viele Kirchenlieder (z.B.: Ein feste Burg).

Luther ordnete auch die Bildung neu. Er rief die deutschen Städte auf, Schulen für Jungen und Mädchen zu schaffen und installierte eine Schulvisitation, die Kontrolle und Überwachung gewährleisten sollte.

Er erstellte einen eigenen Frage- und Antwortkatalog: Der kleine Katechismus, der die wichtigsten Glaubensthemen behandelt.

In seinen Büchern setzte er sich mit der weltlichen Obrigkeit und mit der Amtskirche auseinander („Vom Babylonischen Gefängnis der Kirche“).

Respekt kann man den Menschen entgegenbringen, die versuchen, alles das einmal zu lesen, was Luther in seinem Leben geschrieben hat.

Wie soll man sein Lebenswerk zusammenfassen?

Aus der damaligen Vorstellung von Gottes Gerechtigkeit war keine Hoffnung für die Zukunft zu erwarten. Wenn Gott gerecht ist, haben alle den Tod verdient. Luther selbst war sein ganzes Leben auf der Suche nach einem Ausweg (dem gnädigen Gott). Als frommer Professor für Theologie und Dr. verschiedener anderer Studienrichtungen ließ ihn die Erkenntnis über

diesen „Gnädigen Gott“ nicht los und war ihm so wichtig, dass er trotz Lebensgefahr diese Erkenntnis gegen Kaiser und Kirche vertrat.

Reformation bedeutete für Luther, falsch eingeschlagene Lebensweisen zu erkennen und zu korrigieren, in dem man die Bibel als Richtschnur in allen Zeiten ernstnimmt. Luther wollte niemals die Spaltung der Kirche sondern die Rückbesinnung auf Gottes Wort.

Danke Luther, dass Du uns immer wieder das Kreuz Christi in den Mittelpunkt gestellt hast.

Dieter Paulus