Gerd Heydn im Gespräch mit Jutta Velser

Wandern ist ein gemeinsames Hobby von Ihnen und Ihrem Mann. Und auf diesen Wanderungen haben Sie über Jahre allmählich zu Gott gefunden…
„Das war in der Tat eine schleichende Entwicklung auf unseren ausgedehnten Wanderungen in der Eifel. Ich bin zwar als Kleinkind katholisch getauft, aber nicht christlich erzogen worden. Durch meine Oma und punktuell auch im Kindergarten und in der Schule hat es durchaus schon mal christliche Impulse für mich gegeben, aber die sind im Laufe der Jahre gänzlich verloren gegangen. Bis wir dann eines Tages im Jahre 2005 auf unseren Wanderungen in der Eifel auf eine kleine Gnadenkapelle im Kloster Himmerod gestoßen sind – zufällig. Nein, wohl kaum!“

Was ist in dieser Kapelle passiert – mit Ihnen passiert?
„Diese kleine Kapelle hat uns beide in eine zuerst unerklärliche Stimmung versetzt. Wir haben Liebe, Geborgenheit und Stille empfunden. Nur dieses Gefühl zählte, in das wir eingetaucht sind. Und dieses Gefühl sagte uns: Hier ist etwas. Nach vielen Jahren begann ich mir wieder Gedanken über Gott zu machen, wurde wissbegieriger, habe nach Informationen gesucht. Dann sind wir eines Tages ganz gezielt nach Himmerod gefahren, um Anliegen aus unserem Familien- und Freundeskreis vorzutragen. Wir haben Anliegen vor Gott gebracht, ohne dass wir es uns bewusst gemacht haben, dass wir das tun. Immer wenn im Alltag etwas Wichtiges passiert war, das man nicht beeinflussen konnte, sind wir nach Himmerod gefahren.“

Wie haben Sie die Eindrücke von Himmerod in Ihren Alltag nach Odenkirchen übertragen?
„Zuhause haben wir auch mal wieder Gottesdienste besucht, erst katholische, weil ich ja katholisch getauft war, dann auch evangelische. Aber schon als Jugendliche habe ich mich dem Protestantismus näher gefühlt. Protestanten hatte ich schon immer als weltoffener empfunden.“

Der Weg, den Sie mit dem Ausgangspunkt in der Eifel eingeschlagen haben, führte Sie dann nach Jahren nach Kelzenberg. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?
„2010 bin ich das erste Mal nach Kelzenberg gekommen. In der Folge immer regelmäßiger. Nie zuvor hatte ich in einem Gottesdienst gehört, wie intensiv Jesus in den Mittelpunkt gestellt wird. Ich habe Wärme, Herzlichkeit und Liebe gespürt. Und – dass die Predigten in Kelzenberg etwas mit meinem Leben zu tun haben. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich noch niemanden näher in Kelzenberg. Dann hielt ich eines Tages einen Flyer zum Glaubenskurs in der Hand. Wochenlang habe ich darüber gebrütet. Mein Wunsch nach Informationen zum Glauben war ungebrochen riesig groß. Ein tiefgehendes Verständnis fehlte mir völlig.“

Und Sie haben sich entschieden…?
„Ja, 2011 habe ich den Glaubenskurs in Kelzenberg besucht, ein Jahr später auch mein Mann. Zu Beginn habe ich mich noch gefragt, ob ich das überhaupt schaffe: jeden Montagabend Glaubenskurs. Am Ende fand ich es schade, dass der Kurs schon vorbei war. Denn am Ende habe ich es geschafft, mein Herz zu öffnen. Nach diesem Glaubenskurs habe ich bei Jesus festgemacht, schon einige Wochen später in Kelzenberg mich auch einem Hauskreis angeschlossen. Ich habe mich seitdem verändert. Mein innerstes Empfinden, meine neue Beziehung zu Jesus, gibt meinem Leben jetzt erst einen umfassenden Sinn. Gebete sind heute ein fester Bestandteil meines Lebens. In Kelzenberg habe ich überhaupt erst gelernt zu beten.“

Wie schlägt sich denn Ihr Glaube heute in Ihrer beruflichen Tätigkeit als Psychologin und Psychotherapeutin nieder?
„An meinem psychologischen Handwerkszeug hat sich in meinem Beruf durch den Glauben eigentlich nichts geändert. Humanistische Werte gehörten auch früher schon zu meiner Lebenseinstellung. Aber für mich hat sich vieles geändert: Jesus ist eine tolle Tankstelle für die Ausübung meines Berufes. Ich kann aus der Fülle schöpfen, die Arbeit fällt mir leichter. Zu mir kommen Menschen, die sehr krank sind, die ihr Seelenleiden bewältigen möchten. Aber ich missioniere nicht während meiner Arbeit, auf keinen Fall. Ich bin Psychologin, keine Pfarrerin, bin zuständig für Menschen mit seelischen Erkrankungen – unabhängig vom Glauben. Allerdings halte ich nicht mit meinem Glauben hinterm Berg, wenn ich darauf angesprochen werde.“

Sie haben in 2014 eine vierteilige Workshop-Reihe in unserer Gemeinde zum Thema „persönlich wachsen“ geleitet. Was wollten Sie uns dabei vermitteln?
„Ich habe versucht, Umsetzungshilfen für Wachstumsimpulse zu geben. Umsetzungshilfen beispielsweise: Wie ich mich selbst besser lieben kann. Selbstliebe ist durchaus erstrebenswert, soll aber nicht heißen, dass ich alles an mir liebe, alles super toll finde. Ich sollte mich sehr wohl kritisch betrachten, immer weiter an mir arbeiten, mich aber mit all meinen Fehlern selbst wertschätzen und annehmen. Jeder Mensch ist Teil der Schöpfung – von Gott gewollt und damit wertvoll. Der Wert als Mensch ist uns von Gott geschenkt worden. Der gilt bedingungslos, aber ich muss ihn annehmen.“

Dieser Wert gilt in der Tat bedingungslos…?
„Wenn ich mit meinen Handlungen mal daneben liege, so bin ich doch immer noch wertvoll in meinem Kern. So möchte ich Selbstliebe verstanden wissen. Damit ist natürlich nicht der in sich selbst verliebte Narziss gemeint. Ich versuche als Therapeutin, andere Menschen darin zu unterstützen, den eigenen Wert zu erkennen und anzunehmen, dann sind auch Kränkungen und Verletzungen nicht mehr so bodenlos tief verletzend. In dieser Beziehung ist Jesus für mich sehr hilfreich. Wenn ich mir vorstelle, wie er mich mit seinen Augen anschaut, dabei die Augenbrauen hochzieht – aber mich dennoch liebt. Jesus ist wahrscheinlich der beste Therapeut, den die Welt je gesehen hat!“