Ein Mitarbeiter von „Open Doors“, Edmund Wiens, war vor einigen Wochen bei uns im Gottesdienst und berichtete über seine Arbeit. „Open Doors“ ist ein überkonfessionelles Hilfswerk, welches weltweit Christen unterstützt, die wegen ihres Glaubens verfolgt, unterdrückt oder diskriminiert werden. Mitarbeiter von Open Doors suchen Kontakt zu Christen, die unter schwierigen und teilweise lebensbedrohenden Umständen leben, um sie zu ermutigen, zu unterstützen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind. In manchen Ländern werden Christen aus politischen Gründen unterdrückt, in anderen aus religiösen. 

„Insbesondere in der islamischen Welt wächst das Interesse am christlichen Glauben, aber ebenso auch die Verfolgung. Immer mehr Muslime finden durch Träume und Visionen oder persönlichen Kontakt mit Christen zum Glauben an Jesus. Doch ist es für ehemalige Muslime oft sehr schwer, im muslimischen Umfeld von Familie und Gesellschaft als Christen zu leben. Sie werden unter Druck gesetzt, zum Islam zurückzukehren, und oft von ihren Familien verstoßen oder gar ermordet, wenn sie sich weigern. Viele von ihnen sind isoliert und fühlen sich allein gelassen. Auch Christen aus traditionellen Kirchen erfahren vielfältige Benachteiligungen und Diskriminierungen. In vielen islamischen Ländern sind sie nur Bürger zweiter Klasse. Das Wissen um die Gebete und die Unterstützung von Christen in der freien Welt gibt den Christen in der islamischen Welt Kraft und Mut, im Glauben durchzuhalten.“ (Zitat von der Website Open Doors)

„Ein Pastor aus dem Libanon berichtete, dass er viele Jahre für Muslime gebetet, aber bei seiner mühsamen Arbeit kaum Ergebnisse erlebt hätte: „Ich hatte geplant, meinen Dienst aufzugeben, bis etwas geschah, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Über Nacht strömten tausende, meist muslimische Syrer in den Libanon, um sich vor dem Krieg in Sicherheit zu bringen, und baten auch bei meiner kleinen Gemeinde um Hilfe. Sie hatten gehört, dass Christen die Hilfesuchenden nicht abweisen würden.“ Das sei für ihn ein Schock gewesen, da die Syrer als Feinde und Unterdrücker der Libanesen gelten. Doch der Pastor ging auf die Knie und begann für die notleidenden Muslime zu beten. Da spürte er, wie Jesus ihm Erbarmen für sie schenkte. Seine kleine Gemeinde betreut heute über tausend Flüchtlinge, Christen und Muslime. Sie werden mit Nothilfe versorgt und zu den Gottesdiensten eingeladen. Die Predigten hat der Pastor bewusst auf die Situation der Flüchtlinge zugeschnitten. Dass ausgerechnet die Christen, die in islamischen Ländern seit Jahrhunderten Unterdrückung und Benachteiligung erleben, ihnen jetzt helfen, bringt viele Muslime ins Nachdenken. Die Folge ist eine einzigartige Offenheit für das Evangelium. Derzeit kommen durch die wenigen Christen im Nahen Osten so viele Muslime zum Glauben an Jesus wie nie zuvor.“ (Zitat von der Website Open Doors)

Edmund Wiens erzählte die bewegende Geschichte von einem Christen in Syrien: Der Mann war Pastor einer kleinen Gemeinde, ca. 30 Mitglieder. Unter dem Druck des Bürgerkrieges sind nach und nach alle geflohen. Als er sich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigte, auch zu fliehen, sprach Gott ganz unmissverständlich zu ihm und gab ihm die klare Anweisung zu bleiben. Als er allein übrig geblieben war, kamen nach und nach Moslems zu ihm, die zum christlichen Glauben konvertiert waren. Manche waren auf völlig unerklärliche Weise durch Träume oder Visionen zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Es wurden immer mehr Menschen, die zu den Gottesdiensten kamen, so dass sich heute um die 300 Personen sonntags treffen, die meisten sind ehemalige Moslems. Unter großen Schwierigkeiten, mitten im Bürgerkrieg wächst und gedeiht diese Gemeinde trotz des Verfolgungsdrucks.

Er erzählte eine spannende Geschichte, wie Gott ihn schützt: Seine beiden Töchter gehen immer zu Fuß zur Schule. Eines Tages, es war um die Zeit, wenn sie von der Schule nach Hause kommen, ging in einer Straße, unweit von seinem Haus eine Bombe runter und detonierte laut krachend. Die Explosion musste sich dort ereignet haben, wo der Schulweg seiner Töchter verlief. Voll Panik rannte er im Hausflur die Treppe runter, um auf die Straße zu kommen, wo er nach seinen Kindern sehen wollte. Als er den Griff der Haustür in der Hand hatte, kam plötzlich sehr klar eine Passage aus Psalm 91 in seinen Sinn: Du musst dich nicht fürchten vor dem Schrecken der Nacht, dem Pfeil, der dir am Tag entgegenfliegt! Dieser Zuspruch erfüllte ihn mit tiefem Frieden, so dass er ohne Panik die Tür öffnen konnte. Und da standen seine beiden Töchter völlig unversehrt vor ihm! Er konnte es kaum fassen, dass sie so völlig unbeeinträchtigt davon gekommen waren. Da erzählten sie ihrem Vater, dass sie nach der Schule von einem Mann aufgehalten worden waren, der sie mit allen möglichen Fragen daran gehindert hatte, sofort nach Hause zu gehen. So waren sie nicht in der betreffenden Straße, in der das Unglück passiert war.

Mich haben diese Berichte bewegt und ich staune darüber, wie Menschen sich dafür entscheiden, mit Christus in einer Beziehung leben zu wollen, obwohl es sehr schwere Konsequenzen haben kann. Gleichzeitig fasziniert es mich, wie Gott Seine Gemeinde wachsen lässt, völlig unabhängig davon, wie schwierig sich die äußeren Umstände gestalten.

Gerd Reschke