Die christliche Gemeinde hat den Auftrag, Jesus Christus in seiner lebensverändernden Kraft darzustellen. Wenn man verstehen will, wie diese Herausforderung umgesetzt werden kann, lohnt es sich, einmal einen Blick auf die Gründungsphase der Gemeinde zu werfen. 

Wenige Jahrzehnte nach der Entstehung der christlichen Gemeinschaft hatte sie sich bereits mit rasanter Geschwindigkeit im römischen Reich ausgebreitet. Das ist umso erstaunlicher, wenn man sieht, mit was für Leuten diese Bewegung gestartet ist. Es gibt dazu einen aufschlussreichen Einblick in der Bibel. Das Buch, welches die Entstehung der Gemeinde beschreibt, ist die Apostelgeschichte. 

Es beginnt damit, dass Jesus nach Seiner Auferstehung immer wieder den Leuten begegnete, die Er sich als engste Mitarbeiter ausgesucht hatte. Sie waren Ihm ca. dreieinhalb Jahre auf Seinen Wanderungen durch Palästina gefolgt. Sie hatten beständig Seine Reden im kleinen Kreis und vor Massen gehört. Sie hatten Seine Heilungen gesehen. Immer wieder erlebten sie spektakuläre Wunder. Und dann kam die traumatische Erfahrung Seiner Gefangennahme und Hinrichtung. Ihre ganze Hoffnung und die Perspektive, die Jesus ihnen gegeben hatte, schien ein völliger Reinfall zu sein. 

In dieser tiefen Enttäuschung machten sie die schier unglaubliche Erfahrung Seiner Auferstehung! In den nächsten 40 Tagen zeigte Jesus sich ihnen immer wieder und hatte nur ein Thema: Er redete über die anbrechende Herrschaft Gottes. Als Er sich endgültig von Seinen Mitarbeitern verabschiedete, teilte Er ihnen Seinen herausfordernden Auftrag mit: „Bleibt in Jerusalem und wartet darauf, dass mein Vater sein Versprechen erfüllt. Denn ihr werdet in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist erfüllt werden!“ Jetzt muss man sich sorgfältig die Reaktion Seiner Mannschaft anschauen: Ihre Gedanken waren darauf gerichtet, ob sich dann endlich die politische Situation in ihrem Staat ändern würde! (Palästina war zu der Zeit unter römischer Herrschaft und kein freies Land.) 

Die Handvoll Menschen, denen Jesus Seinen weltumspannenden Auftrag erteilte, die das Fundament und der Motor der christlichen Bewegung werden sollten, hatten bis zu diesem Augenblick noch keine klare Vorstellung von Seinem Anliegen! Jesu Reaktion auf ihr Unverständnis ist ebenfalls beachtenswert: Er scheint weder frustriert noch enttäuscht zu sein, sondern Er weist sie darauf hin, dass es Gottes Weisheit zusteht, wann die politische Situation sich ändern wird. Und im gleichen Atemzug gibt Er ihnen die klare Anweisung, die als Missionsbefehl bekannt geworden ist: „Ihr werdet durch die Erfüllung mit dem Heiligen Geist Kraft empfangen und meine Zeugen sein, in Jerusalem und ganz Judäa und Samaria und bis an die Enden der Erde!“ 

Trotz des Unverständnisses und der Unfähigkeit Seiner ausgesuchten Gründungstruppe, scheint Jesus sehr zuversichtlich, geradezu erwartungsvoll in die Zukunft zu schauen. Der entscheidende Faktor ist offensichtlich der Heilige Geist, der die Mannschaft erfüllen wird. Der Heilige Geist wird sie befähigen, von dem zu reden, was sie mit Jesus erlebt haben. Sie waren die Augenzeugen Seiner Wundertaten. Sie hatten Ihn erlebt und kennengelernt. Die Begegnung mit Jesus Christus hatte ihrem Leben eine neue Ausrichtung gegeben. Als sie mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden, bekamen sie die Einsicht, ihre Erfahrungen im Sinne der Worte Jesu zu verstehen. Und zwar mit einer Tiefe, wie es ihnen vorher schlicht unmöglich war. Dazu kam dann die Kraft, d.h. die tiefe Überzeugung und Beharrlichkeit, von der verändernden Power 

Jesu in ihrem Leben zu berichten. Ihre Begeisterung für Jesus Christus bekam einen so starken Schub, dass sie völlig unerschrocken weitermachten, als sie von den religiösen Führern in Bedrängnis gebracht wurden. Sie waren total fasziniert von Jesus und ließen sich nicht von äußeren Bedrohungen aufhalten. 

Was Jesus angekündigt hatte, ging in Erfüllung und diese Bewegung ist bis heute im Gange. Immer neu werden Menschen von anderen auf Jesus hingewiesen und lernen Ihn persönlich kennen. Immer neu erfahren Menschen Seine heilsame, verändernde Fähigkeit. Und immer wieder werden sie dadurch ebenfalls zu Seinen Botschaftern.

Nun kann man natürlich sehen, dass die Gemeinde ihren Auftrag nicht immer und überall gut erfüllt hat. Es ist wirklich entscheidend, dass man in einer persönlichen Beziehung mit Jesus Christus lebt. Und durch diese Beziehung geprägt und verändert wird. 

Gott gibt einem Propheten einmal eine Vision: Er zeigt ihm einen Mandelbaum im späten Winter. Die Landschaft ist noch ganz vom Winter geprägt: Kahl und unbegrünt. Dann stellt Gott ihm die herausfordernde Frage: Was siehst du? Angesichts der öden Umgebung, der Kälte, der unbestellten Felder und des leblosen Gesamteindruckes hätte der Prophet eine Antwort geben können, die eher deprimierend klingt. Jedoch sagt er: „Ich sehe einen erwachenden Zweig!“ (die Mandel blüht früh, im Januar/Februar, bevor das Laub austreibt). Gott findet seine Antwort richtig gut: Du hast recht gesehen! Ob wir die Gemeinde als erwachenden Zweig erkennen oder eher deprimiert auf die Situation der Kirche blicken, ist davon abhängig, wie gut wir den Herrn der Gemeinde kennen. Je näher wir Ihm kommen, je besser wir Ihn kennenlernen, desto stärker wird uns Seine Perspektive und Sein zuversichtlicher Blick auf Seine geliebten Leute erfassen. Er ist der kompetente Herr, der es sich leisten kann zu sagen: „Schau genau hin, Ich mache alles neu!“                       

Gerd Reschke