Einer der grundlegenden Berichte der Bibel erzählt, dass Gott den Menschen zu seinem Gegenüber erschafft. Er setzt ihn in einen Garten, eine wunderschöne Welt, die Er eigens für ihn angelegt hatte. 

Gott meinte es gut mit seinen Menschen und hatte ihren Lebensort so gestaltet, dass es für alle Bedürfnisse reichlich genug gab. Zudem kam Gott jeden Abend in den Garten, weil Er gern mit ihnen Beziehung leben wollte.

Es gab so viel zu erzählen, da ja alles ganz neu für sie war und sie praktisch mit null Lebenserfahrung gestartet waren. Sicherlich haben sie Gott auch mit vielen Fragen überschüttet, von ihrem Schöpfer hatten sie so viel zu lernen. Es war eine freundschaftliche Beziehung, die sie in tiefem Vertrauen mit Gott verband.

Und genau dieses Verhältnis zerstört der Mensch. Er will nicht mit Gott sein, er will selbst Gott sein.

Die direkte Folge dieser Grenzüberschreitung: Angst und Scham gegenüber Gott. Bis zu diesem Tag, haben sie sich sicher auf jede Begegnung gefreut und ihr entgegen gefiebert. Doch nun war die Beziehung zu Gott gestört. Die Bibel erzählt, dass Adam und Eva – also der Mensch – den Garten, in dem er und sie mit Gott so viel Schönes erlebt hatten, verlassen mussten. Es war ihnen nicht mehr möglich, in Seiner unmittelbaren Nähe zu wohnen. Die Bibel nennt diese Entscheidung einen Fluch. Wo die Beziehung zum Schöpfer verloren gegangen ist, bleibt nur noch das Selbst als Bezugspunkt übrig. Und das ist wirklich angsterregend!

Die Folge: Es gibt keine Klarheit mehr bezüglich der wesentlichen Fragen im Leben: Woher komme ich, wohin gehe ich, was ist der Sinn des Lebens? Wenn bis dahin Gott alle Bedürfnisse der Menschen im Blick hatte, heißt es nun: Du wirst im Schweiße deines Angesichtes dein Brot essen…! Aber schon hier machte Gott ein Versprechen, diesen Fluch zu brechen: Einer von Evas Nachkommen würde eines Tages der Schlange – dem Bösen – den Kopf zertreten. Das heißt, die Macht des Bösen, die Menschen zu verführen, zu täuschen und mit ihren raffinierten Lügen zu verwirren, würde gebrochen werden. Die Trennung zwischen Gott und Seinen Menschen würde aufgehoben und die Beziehung wieder hergestellt werden.

Doch bis dahin war es noch ein langer Weg. Inzwischen suchte und fand Gott immer wieder einzelne Menschen, die sich für Ihn öffneten und mit denen Er in tiefer Beziehung leben konnte. Sie erlebten Seine Fürsorge, Seine Zuwendung und sie bekamen von Ihm zukunftsweisende Worte für ihr eigenes Leben und für andere Menschen. Worte, die helfen sollen, Leben zu entfalten, wie z.B. die zehn Gebote. Das war allerdings nur eine Station auf dem „Heilungsweg“ Gottes. Es reicht einfach nicht aus, mit Verhaltensregeln, die ja immer nur von außen auf einen Menschen einwirken können, eine grundlegend neue Gesellschaft hervorzubringen. Und genau hier setzt Gott an mit Seinem Versprechen: „Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist.“ Und dann heißt es weiter: „Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und schenke euch ein Herz, das lebt. Ich erfülle euch mit meinem Geist und mache aus euch Menschen, die nach meinen Ordnungen leben, die auf meine Gebote achten und sie befolgen. … Ihr werdet mein Volk sein und ich werde euer Gott sein.“ Alle Gesetze und Verhaltensregeln, die menschliche Gesellschaften formen und zusammenhalten, können letztlich nur mit Einschüchterung, d.h. Furcht vor Bestrafungen durchgesetzt werden. Unsere Gier wird uns immer dazu verleiten, dass wir für uns selber das dickste Stück Kuchen haben wollen.

Deswegen liegt Gottes Ansatzpunkt nicht bei unserem Verhalten, nicht bei unserer Moral, oder den Idealen, nach denen wir unser Leben ausrichten. Sein zentrales Anliegen ist es, unser Herz zu erneuern. In Jesus Christus stellt er sich uns – seinen Adams und Evas – neu vor. Deshalb ist im Neuen Testament die Rede davon, dass wir in Ihm – Jesus Christus – Gottes ganze Güte und Treue, Seine Fürsorge und Sein Wohlwollen für uns erkennen können. Sein Herz soll mit unserem zusammenwachsen. Es ist ein Herz, welches befreit ist vom Fluch des Egoismus und der Gier, frei von Konkurrenz, frei davon, der Beste, Stärkste, Größte sein zu müssen. Jesus ist gekommen, um uns aus dem Fluch und der Trennung von Gott zurück ins Leben und in den vollen Genuss von überfließender Lebensqualität zu führen.

Gott hat nie aufgehört, nach Seinen Menschen zu suchen, um die tiefe, vertrauende Beziehung wieder neu zu beginnen. Jesus Christus ist Gott, der sich aufgemacht hat, um uns vom Fluch der Verfehlung und von unserer Selbstbezogenheit zu befreien und uns in ein Leben der Zufriedenheit und Erfüllung hinein zu führen. Gott kann und will unbedingt dieses wertvolle Geschenk eines neuen Herzens jedem Menschen machen, der sich für Seine Zuwendung öffnet. Die Versprechen, die Gott uns macht, stellen uns vor eine große Herausforderung: Sind wir bereit, uns mit unserer ganzen Existenz im Vertrauen auf Seine Fürsorge und Kompetenz immer abhängiger von Ihm und Seiner Versorgung zu machen? Sind wir bereit, die Beziehung zu Ihm so weit zu vertiefen, bis Er zum alles erfüllenden Zentralpunkt unseres Lebens wird? Die Befürchtung, im Leben zu kurz zu kommen, kann nur zur Ruhe gebracht werden, wenn in uns das Vertrauen entsteht, dass Gott, der uns zutiefst kennt, alle unsere Bedürfnisse stillen und den Lebenshunger sättigen kann und will.

Gerd Reschke